Was bedeutet citizen science?
Einfach ausgedrückt, Citizen science beruht auf Beobachtungen von Menschen, die keine professionellen Wissenschaftler sind. Einige der größten Entdeckungen der Welt wurden von Menschen ohne offizielle wissenschaftliche Qualifikation oder Finanzierung gemacht. So wurde beispielsweise der Planet Uranus 1781 von dem Amateurastronomen William Herschel entdeckt, der sein eigenes Teleskop baute und seinen Lebensunterhalt als Musiker verdiente. Auch der berühmte Naturforscher Charles Darwin, der die Evolutionstheorie entwickelt hat, wurde ursprünglich als Arzt ausgebildet.
Jeder kann bei citizen science Aktionen mitmachen. Freiwillige braucht man besonders dann, wenn es sich um große Projekte handelt, bei denen Wissenschaftler Informationen aus dem ganzen Land oder weltweit brauchen. In solchen Fällen gibt es nicht genügend qualifizierte Wissenschaftler, die diese Forschung allein durchführen können.
Sie müssen also kein Experte sein. Oft sind die Aufgaben recht einfach - zum Beispiel das Fotografieren von Pflanzen oder das Beobachten von Vögeln in Ihrem Garten. Bei komplexeren Aufgaben erhalten Sie eine Schulung, in der Ihnen genau erklärt wird, was zu tun ist. Dann können Sie Ihre Beobachtungen an die Wissenschaftler schicken, die das Projekt leiten, die sie zusammenfassen und die Ergebnisse untersuchen.
Was hat citizen science mit Vögeln zu tun?
Vögel sind in fast allen Teilen der Welt anzutreffen und wandern oft über große Entfernungen. Bürgerwissenschaft kann uns dabei helfen, die Anzahl der Vögel und ihre Veränderungen rund um den Globus zu verfolgen. Mit diesen Informationen können wir bedrohte Arten und Lebensräume identifizieren und ihnen helfen. So haben beispielsweise die freiwilligen Vogelzähler des Pan European Common Bird Monitoring Scheme dazu beigetragen, herauszufinden, dass Europa in den letzten 40 Jahren rund 600 Millionen Brutvögel verloren hat. Neben dieser Spring alive Seite können Sie Ihre Beobachtungen auch auf ornitho.lu eingeben. Diese Daten geben wichtige Hinweise über Verhalten, Gefahren und Änderung der Bestände.

Foto: Vogelbeobachtungsteam am Mbeubeuss-See, Senegal; ©NCD
Vögel kommen auch in abgelegenen Gebieten vor, die für Wissenschaftler schwer zugänglich sind. Auch hier können die Menschen vor Ort helfen. Im Jahr 2021 waren zwei Freunde im Regenwald von Borneo unterwegs, um Material zu sammeln, als sie auf eine unbekannte Vogelart stießen. Nachdem sie ein Foto an ihre örtliche Vogelbeobachtungsgruppe geschickt hatten, erfuhren sie, dass sie den Schwarzbrauendrossling wiederentdeckt hatten - eine Art, die seit 172 Jahren verschollen war und als ausgestorben galt.
Ein anderer Weg, wie citizen science Vögeln hilft, ist einen Bezug zur Natur herzustellen und sie zu respektieren. Wenn man Zeit damit verbringt, Vögel zu beobachten und etwas über sie zu lernen, ist man eher bereit, sie zu schützen. Diese Idee gibt es schon seit Jahrhunderten: Im Jahr 1900 rief der Ornithologe Frank M. Chapman in den USA die fortlaufende Audubon-Weihnachtsvogelzählung ins Leben, um die traditionelle Weihnachtsvogeljagd zu ersetzen, bei der jedes Jahr Tausende von Vögeln getötet wurden. In Zypern, wo die Vogeljagd noch immer ein fester Bestandteil der lokalen Kultur ist, hat unser Partner BirdLife Cyprus einen Vogelführer für Kinder mit dem Titel What's that bird? herausgebracht, um eine neue Generation von Naturliebhabern zu inspirieren. Und auch natur&ëmwelt sieht, dass wir bei der jährlichen "Wantervullenzielaktion" immer mehr Menschen erreichen.

Foto: Wer Zeit mit der Beobachtung von Vögeln verbringt, wird sie eher schätzen und somit auch schützen, ©Asociacion Calidris
Wie kann ich mich beteiligen?
Es gibt viele verschiedene Citizen-Science-Projekte, aus denen man wählen kann. Eine einfache Möglichkeit sich zu beteiligen, ist die Eingabe von Beobachtungen der Spring Alive-Arten auf unserer interaktiven Karte. Auf diese Weise können wir die Wanderungen der Vögel in Echtzeit verfolgen, während sich die Wellen der Beobachtungen von Land zu Land bewegen.
Weiterhin können Sie am EuroBirdwatch, der jählich am 1. Oktober stattfindet teilnehmen. Das aktuelle Datum mit verschiedenen Aktionen und Beobachtungsposten veröffentlichen wir auf www.naturemwelt.lu